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Mein erstes Mal Kreuzfahrt – Leider geil


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Wir stehen auf Deck 12, als die über 250 Meter lange AIDAmar sich in Bewegung setzt. Mit einem lauten Hupen entfernt sie sich vom Kreuzfahrtterminal Warnemünde, aus den Lautsprechern dröhnt "Sail away" von Enya. Ich kneife die Lippen zusammen, um nicht aus Versehen zu lächeln. Verdammt, das unwillkommene Lächeln transformiert sich unverschämterweise einfach in eine wohligprickelnde Gänsehaut. Die Musik, das Meer, die vielen Menschen mit ihren Taschentüchern, all das rührt mich wirklich an. Und das, obwohl ich mir mein Leben lang geschworen habe, niemals eine von DENEN zu werden. DIE, das sind die Kreuzfahrttouristen. Und ich, ich bin das selbsternannte Gegenteil. Was auch immer das sein mag. Trotzdem stehe ich nun hier, auf der AIDA – meinem Mann zuliebe (ganz klar einer von DENEN). Ich schwanke sekündlich zwischen der Freude an dem salzigen Wind in meinem Gesicht und dem rebellischen Trotz, mich verflixt nochmal nicht an dieser Tourismus-Maschinerie erfreuen zu wollen. Ernsthaft jetzt mal... eine Kreuzfahrt!!! Das war für mich bisher so fernab jeglicher Vorstellung, dass ich mich jetzt hier auf Deck 12 ein bisschen vor meiner eigenen Gänsehaut grusele.
Der Gipfel aller Dekadenz

Mit meinem Mann, unseren drei Kindern und ungefähr zweieinhalbtausend anderen Menschen werde ich jetzt also jeden Tag in einen anderen Hafen gebracht. Unsere Tour: ein Tag auf hoher See, Tallinn, St. Petersburg, Helsinki, Stockholm, noch ein Seetag, dann wieder Warnemünde. Vier Länder in nur einer Woche. Na Prost! Außerdem mit dabei: Ein Zimmer mit Meerblick, sieben Restaurants, ein Casino, ein 4D-Kino, eine Bibliothek, diverse Cafés, Bars, Whirlpools, Saunen und ... du lieber Himmel, lassen wir das. Der Ostseewind weht durch meine Haare und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ist es pervers, was wir hier machen? Der Gipfel aller Dekadenz? Ganz sicher! Und trotzdem feiern eine Menge Endorphine in meinem Blut gegen meinen Willen die erste Pooldeckparty dieser Fahrt. Das aufgeregte Abschiedströten der Schiffe, die uns ein Stückchen begleiten, reißt mich aus meinen Gedanken. "Hunger!", nölt auch unser Jüngster und wir lassen uns nur ein paar Meter entfernt einen Burger braten, der furchteinflößend lecker ist. Ob wir Wein dazu trinken wollen, fragt der Kellner. Ist inklusive, sagt er. Ich nicke dankbar, Ja, Wein könnte helfen. Vor allem inklusiver.
Ich muss nichts tun und trotzdem schwirrt mein Kopf

In den nächsten Tagen fahre ich gefühlt vor allem Aufzug und steige Treppen. Ich muss zugeben, dass das irgendwie witzig ist. Von unserer Kabine auf Deck 4 in das Restaurant auf Deck 10, dann die Jacke holen auf Deck 4, um rauszugehen auf Deck 12, oder Fußball zu spielen auf Deck 14. Jacke wieder weg auf Deck 4, Kaffee holen auf Deck 9, auf den Spielplatz auf Deck 5. Man hat ja sonst nichts zu tun (ein Satz, dessen Beachtlichkeit ich keiner Mutter erklären muss...). Ich lerne schnell mal eben Estland kennen (kein Land, das ich wirklich auf dem Schirm hatte), spaziere am nächsten Tag durchs russische St. Petersburg und hüpfe schon am Tag darauf durch finnische Pfützen in Helsinki. Wie im Rausch fliegen die vielen Eindrücke an mir vorbei. Auf der Bühne der AIDA werden unterdessen Vorträge über die Zielorte gehalten, Shows aufgeführt und "Wer wird Millionär gespielt". Jeden Abend hängt an unserer Kabine ein kleines Heftchen mit dem Programm des nächsten Tages. Vier Seiten voller Workshops, Termine und Möglichkeiten. Ich muss mich wirklich um nichts kümmern, und trotzdem schwirrt mein Kopf. Wenn man eines an Bord der AIDA lernt, dann ist es die Fähigkeit, sich zu entscheiden zwischen abertausenden Optionen. Ist sonst nicht meine Königsdisziplin. Irgendwo zwischen St. Petersburg und Helsinki stellt sich dann aber endlich das schönste Gefühl der Welt ein: The Joy of Missing out. Die Freude daran, eine Menge zu verpassen. Vor allem Workshops, Termine und Möglichkeiten.
Mein Fazit? Leider geil.

Fünf Tage nach unserer Abfahrt legen wir in Stockholm an, das letzte Ziel der Tour. Ich kenne mich mittlerweile bestens aus an Bord, weiß, wann man in welches Restaurant gehen muss, um den Nahkampf um den besten Platz zu gewinnen, fühle mich wie eine alte Bekannte des Kapitäns, der uns zweimal täglich über die Lautsprecher mit Infos über das Wetter, den Seegang und die regionalen Besonderheiten versorgt und kann jetzt "Sail away" mitsingen. Mit Bordwein intus sogar sehr laut. Mein Kopf hat sich an das leichte Schaukeln des Bodens gewöhnt und mein Magen an die dreifache Menge der ihm eigentlich vertrauten Nahrungsmittelmengen.

Nun also Schweden. Mein Mann weckt uns heute Morgen ganz früh und wir legen uns zu fünft auf eines der runden Sofas auf Deck 10, direkt am Fenster. Noch schlafen die meisten Passagiere. Das riesige Schiff schlängelt sich an den kleinen Inselchen vorbei in Richtung Stockholm, am Ufer kann man durch den morgendlichen Nebel kleine, rote Holzhäuschen mit Steg erahnen. In meiner Hand halte ich eine Tasse heißen Kaffee, den ich nicht kochen musste, und die Kinder manövrieren uns mit einem imaginären Lenkrad durch die engsten Seegassen, während die Sonne golden aus dem Meer steigt. In diesem Moment versöhne mich mit dem Gedanken, gegen den ich mich die ganze Zeit so gewehrt habe: Ja, verdammt nochmal. Ich finde es leider geil. Total abartig, aber geil. Auch wenn ich damit jetzt offiziell eine von DENEN bin...